Hasso-Plattner-Institut
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21.06.2018

DESIGN THINKING UND NEW LEADERSHIP

Wie sich die Innovations-Methode zur Leadership-Strategie für Veränderungsprozesse entwickelt hat und wie sie genutzt werden kann – von Annie Kerguenne

Autorin Annie Kerguenne

Was ist Design Thinking? Wenn Sie 100 Personen fragen, werden Sie voraussichtlich ebenso viele unterschiedliche Antworten erhalten.

„Ein strukturierter Kreationsprozess“, „eine Methode, um im Team innovative Produkte, Services und Prozesse zu entwickeln“, „ein Werkzeugkasten für effizienteres Arbeiten“ oder auch „ein menschlich zentrierter Lösungsweg für komplexe Probleme“. Für die einen ist es nach wie vor eine Innovations-Methode mit definierten Phasen und Werkzeugen, für die anderen eine Nutzer-zentrierte Haltung oder Philosophie. In jüngster Zeit entdecken immer mehr Führungskräfte Design Thinking als wirkungsvolle Hilfestellung in Change-Prozessen. Das ist dann nachvollziehbar, wenn man auf die Historie dieser Disziplin blickt:

Design Thinking basiert ursprünglich auf dem Prozess des Designers bei der Entwicklung neuer Produkte: eine strukturierte Herangehensweise an Aufgaben, die den Wert der Lösung für den Menschen in das Zentrum stellt. Durch präzise definierte Phasen der Exploration, Analyse, Kreation und des Lernens infolge fortlaufende Feedbackschleifen tastet sich der Innovator schrittweise an die richtige Lösung heran. Das ist exakt die Strategie, die Systemforscher zur Lösung komplexer Aufgaben empfehlen. Denn Checklisten, feste Abläufe, Best Cases und Expertenwissen sind perfekt für Lösung bekannter Aufgaben, zum Beispiel die Beförderung eines Mitarbeiters (einfach) oder die formale Durchführung einer Unternehmensfusion (kompliziert). Wenn es jedoch um Transformationsprozesse geht, bewegen sich Unternehmens-Lenker auf unbekanntem, komplexen Terrain. Was für die eine Organisation funktioniert, ist kein „Gelingt-Immer-Rezept“ für alle anderen. Unternehmen selbst und die spezifischen Situationen sind zu komplex, dynamisch, zu unbeständig und zu einzigartig für vorgefertigte Raster, die linear Start- und Endpunkt, sowie die entsprechenden Meilensteine und das notwendige Budget festlegen.

„Zum ersten Mal in der Geschichte suchen wir nicht nur nach Kompetenz und Erfahrung, sondern nach Kandidaten mit Lern-Potenzial", 1) so beschreibt Claudio Fernández-Aráoz, Advisor bei Egon Zehnder, eines der führenden Unternehmen im Bereich Executive Search diesen Paradigmenwechsel im Leadership. 

Vor welche Herausforderungen stellt die Ära der Digitalen Transformation die Führungskräfte heute und welche Design Thinking Prinzipien können als Hilfestellung dienen, um sich sicherer in der Unsicherheit zu bewegen?

Der „allwissende Boss“ existiert heute faktisch nicht mehr: zu schnell ändern sich Märkte, Wettbewerber, Risiken und Technologie. „Früher sorgte der Chef einer Firma für Innovation. Er entschied, was es neu zu etablieren galt und das wurde dann gemacht. Heute ist die Welt zu komplex geworden. Wir brauchen alle Köpfe im Unternehmen, um in der Zukunft erfolgreich zu sein. Deshalb nutzen wir Design Thinking, um innovatives, kooperatives Arbeiten bei uns im Unternehmen zu stärken“, so die Co-Chefin eines mittelständigen Unternehmens in der Maschinenbaubranche.

Für die Veränderung von einer stark arbeitsteiligen Organisation hin zu kollaborativer Arbeit, die das gesamte Innovationspotential der „Unternehmensintelligenz“ nutzt, bietet das Design Thinking Prinzip der Diversität nützliche Hilfestellung: durch Werkzeuge die Teamdynamiken kanalisieren und Selbststeuerung fördern. Durch flexible Raumgestaltungen, die Kreativität und Interaktion aktiviert und durch Regeln dieser Interaktion, die Teamperformance maximieren.

„Das Schwierigste an meiner Rolle als Chef in unserem aktuellen Veränderungsprozess ist, dass ich selbst nicht genau weiß, wo wir am Ende landen werden. Meine Mitarbeiter erwarten nach wie vor von mir, dass ich ihnen Sicherheit gebe. Wir müssen aber einfach die Dinge ausprobieren und auf dem Weg lernen, was speziell für uns funktioniert und was nicht“, erklärt der Chef einer globalen Non-Profit Media-Organisation. Das Design Thinking Prinzip der Iteration – also einer lernenden Vorwärtsbewegung – hilft bei dieser Expedition. In kleinen Schritten mit engmaschigen Tests und Feedbackauswertungen bietet der Design Thinking Prozess Orientierung und Handlungssicherheit. Denn auch wenn die Lösung zu Beginn offen ist, sicher ist eins: es wird ein fassbares Ergebnis geben, das bewertet werden kann. Die im Iterationsprinzip eingebetteten Ideen- und Prototypisierungsprozesse machen es für die Führungskraft zudem einfacher, die traditionelle Teilung von Strategie und Operationalisierung aufzulösen. Das heißt, nicht nur über Veränderung zu reden, sondern mit gutem – kopierbarem – Beispiel voranzugehen. Damit kann die Multiplikationswirkung des Chefs für den Erfolg der Veränderung genutzt werden.

Im Design Thinking Prinzip der radikalen Nutzer-Zentriertheit sehen viele Führungskräfte heute die stärkste Hebelkraft für den Start und für die Sicherung der Nachhaltigkeit von Change-Prozessen. Denn ohne die Menschen, die das komplizierte Ökosystem einer Organisation darstellen, funktioniert keine Veränderung. Das wirtschaftliche Potential digitaler Technologie kann sich dann frei entfalten, wenn digitale Lösungen für Mitarbeiter, Kunden und Partner eines Unternehmens echte Nutzwerte schaffen. Zum Beispiel in Schulen, die das Spiel als Lernprinzip nutzen. Oder für Autos, die keinem gehören und von jedem gefahren werden können. Oder Städteführer, die ihre Nutzer von Touristen in Einheimischen verwandeln.

Design Thinking bietet für die Exploration und die Analyse von Chancen und Problemen der Transformation nicht nur einen gut sortierten Werkzeugkasten, sondern hilft, vor den Fragen nach Wirtschaftlichkeit und technischer Machbarkeit die Sinnhaftigkeit für den Menschen in den Mittelpunkt der Transformation zu stellen.

Der geflügelte Spruch „das einzig Konstante ist die Veränderung“ wird künftig zum Alltag von Unternehmen gehören und digitale Technologie wird das Tempo dieser Veränderung kontinuierlich steigern. In dieser Transformations-Rallye liefert Design Thinking feste Koordinaten für eine Roadmap, die klare Orientierung bietet, dabei aber flexibel genug ist, um sich den spezifischen Anforderungen einer Kultur und dem jeweiligen wirtschaftlichen Ökosystem anzupassen.

Nimmt man das Innovations-Modell als Orientierung, führt die Roadmap entlang folgender Fragen, die aufeinander aufbauen und durch Design Thinking Sprints Schritt für Schritt bearbeitet werden können.

Der Digitale Transformation Leadership Cycle 

Die 7 Schritte der Mehrwertschaffung helfen bei der Orientierung und Fokussierung 

1. Purpose-Wert: Welchen Wert hat die Unternehmensmission – die Purpose – im Rahmen der digitalen Transformation für die Menschen im Unternehmen?

2. Menschlicher Wert: Welches sind die Bedürfnisse mit der stärksten Hebelfunktion in den verschiedenen Wertschöpfungsbereichen (interne Strukturen & Prozesse, Beziehungen zu Kunden und Partnern, innovative Produkte, Services)?

3. Pragmatischer Wert: Welche Lösungen bieten pragmatischen Nutzen im Alltag der Menschen?

4. Digitaler Technologie-Wert: Wie kann digitale Technologie die Wirkung dieser Lösungen erweitern, verstärken, multiplizieren und sie zu Motoren der Transformation machen?

5. Strategischer Wert: Welche dieser transformativen Lösungen sollten mit Blick auf die zu fördernde Unternehmenskultur fokussiert werden?

6. Wirtschaftlicher Wert: Welche Lösungen sollten mit Blick auf die Business-Strategie skaliert und verankert werden?

7. Transormations-Wert: Welches Leadership-Verhalten wird Prototyp, Multiplikator und sinnstiftendes Symbol der neuen Kultur sein?

 

Der Einsatz von Design Thinking als Leadership-Strategie macht Veränderung nicht einfacher - aber sie hilft, sich innerhalb der Komplexität strukturiert und sicher zu bewegen. Auf eine Art und Weise, die den Menschen mit seiner natürlichen Lernfähigkeit, wieder in das Zentrum des Unternehmens stellt. So kann NEW LEADERSHIP die "Universal-Disziplin“ nutzen, um eine innovative Kultur zu fördern und zu verankern. Ein exklusives Programm von Stanford Center for Professional Development und HPI trainiert Design Thinking als Leadership-Strategie. Weiterführende Informationen zum Führungskräfteprogramm "Leading Digital Transformation and Innovation" finden Sie hier.