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15.02.2019

Erste D-School in Santiago de Chile

Seit Ende 2018 haben wir gemeinsam mit der D-School Potsdam an der Universidad Mayor (UM) in Santiago de Chile die UM D-School aufgebaut. Zukünftig sollen alle Studenten der Universidad Mayor im Rahmen ihres Studiums Design Thinking erleben.

Panorama_Work in Progress_Neue D-School in Chile

Wir haben unsere Programm-Manager Selina Mayer und Samuel Tschepe zu ihren Erfahrungen in Chile befragt. 

Liebe Selina, lieber Samuel, Ihr habt jetzt sechs intensive Wochen das Projekt in Chile geleitet. Was war Eure Mission dort?

Selina: Die Universidad Mayor wird zukünftig allen Studierenden ermöglichen, Design Thinking im Rahmen ihres Studiums kennenzulernen. Unsere Aufgabe war es, ein Team aus Lehrenden der Universidad Mayor zu schulen und in die Lage zu versetzen, Design-Thinking-Formate durchzuführen.

Samuel: Der Aufbau der UM D-School wird modular gestaltet. Alle Studienanfänger durchlaufen einen halbtägigen Workshop und erhalten so einen ersten Einblick in Design Thinking. Im Verlauf der unterschiedlichen Studiengänge werden dann weiterführende Formate angeboten.  

Wie seid Ihr hier vorgegangen?

Samuel: Die Universidad Mayor verfügt über mehrere Standorte in der Hauptstadt Santiago und in Temuco, ca. 700 km südlich von Santiago entfernt. Insgesamt studieren ca. 20.000 Studenten an der Universität. Das zeigt die Größe unserer Aufgabe. Daher mussten wir schauen, was sinnvolle erste Schritte sind und durften gleichzeitig das große Ganze nicht aus den Augen verlieren.

Selina: Genau, daher beginnt nun ab März 2019 ein Prototyp-Semester. In diesem Semester werden zwei verschiedene Einstiegsformate angeboten. Dafür haben wir 14 Coaches ausgebildet, 10 aus Santiago und 4 aus Temuco, die nun von März bis Juni mehr als 1.000 Studierende mit Design Thinking in Berührung bringen werden.

News HPI Academy: Neue D-School in Chile

Aus den Erfahrungen und Erkenntnissen werden wir gemeinsam die Formate weiterentwickeln und nächste Schritte angehen.

Samuel: In Vorbereitung auf den März haben wir über einen Zeitraum von zwei Monaten die chilenischen Coaches intensiv trainiert. In Anlehnung an die Erfahrungen aus unserem Zertifizierungsprogramm für Design-Thinking-Coaches bestand das Training aus einem Mix aus Train-the-Trainer-Workshops und Praxismodulen. Ziel war es zu diesem Zeitpunkt, einerseits grundlegendes Wissen in Design Thinking aufzubauen und zudem die Coaches dazu zu befähigen, die Methoden und Denkweisen des Design Thinking zu lehren.

Selina: Das ganze Vorgehen war auf jeden Fall Teamwork. Wir haben in verschiedenen Konstellationen zusammengearbeitet und konnten auf unterschiedlichste Expertisen zurückgreifen.

Marco Eisenberg war mit seiner internationalen Projekterfahrung, z.B. auch aus dem Aufbau der HPI School of Design Thinking at UCT (d-school) in Kapstadt Teil des Kernteams.

Caroline Merz, Programm-Manager an der HPI Academy, hat als Vierte des Kernteams ihre Projekterfahrungen aus Wirtschaft und Industrie in das Projekt eingebracht. Dr. Claudia Nicolai (Academic Director der HPI D-School) hat ihre Erfahrungen aus Potsdam und dem Aufbau weiterer HPI D-Schools u.a. in Vertiefungsmodulen an die Coaches weiter gegeben und leitet zusammen mit Dr. Martin Schwemmle (Senior Researcher HPI D-School), basierend auf den Forschungserfahrungen zum Thema Space, den Aufbau der Design-Thinking-Räumlichkeiten an der Universidad Mayor.

Joaquin Santuber (Researcher im HPI-Stanford Design Thinking Research Program) ist ursprünglich aus Chile, und war daher natürlich eine super Ergänzung für das Team. Er wird auch die Übersetzung der Formate vom Englischen ins Spanische begleiten.

Im Januar hatten wir zudem weitere Unterstützung von Jana Fuchs (Programm-Manager an der HPI Academy) und Helen van Baal (ehemalige Track-Managerin der HPI D-School in Potsdam), da wir dort größere Workshops durchgeführt haben.

Aber nicht nur von unserer Seite waren wir ein großes Team, auch die UM hat mit einem großen Team – geleitet von Ismael Espinoza – das Projekt besetzt.

Ein großes Dankeschön hier auch noch einmal an alle Beteiligten.

Samuel: Ja, in der Tat. Eine gute Zusammenarbeit ist bei einem solchen Unterfangen essentiell, danke allen dafür. 

Einmal Chile hin und zurück

Universidad Mayor (UM) in Santiago de Chile die UM D-School

Was waren die prägendsten Eindrücke, die Ihr aus Chile mitgebracht habt?

Samuel: Eine ganze Universität möchte Design Thinking in Ihre DNA aufnehmen – das ist so ziemlich einmalig. Diese Formulierung stammt übrigens nicht von mir, sondern von den Mitarbeitern dort vor Ort. Um das Projekt voranzutreiben, haben uns und sich gegenseitig die Teammitglieder auf allen Ebenen in dieser intensiven Zeit kontinuierlich unterstützt. Jedes Teammitglied war immer bereit, eine Extrameile zu gehen, das war toll.

Selina: Die Begeisterungsfähigkeit der Leute war bemerkenswert. Durch deren Leidenschaft und Einsatz haben wir innerhalb kürzester Zeit unglaublich viel geschafft und konnten täglich Lernfortschritte beobachten.

Gibt es Dinge, die Design Thinking in Deutschland von Design Thinking in Chile unterscheiden?

Selina: Das Modell in Santiago ist durchaus besonders. Alle Studenten der Universität erleben Design Thinking. So wird Design Thinking zum grundlegenden Mindset der Universität. Quasi das Kaugummi, das alle Studiengänge verbindet. Zu Beginn werden vor allem methodische Einstiegsformate angeboten, die noch keinen Projektcharakter haben. Dies wird dann in weiteren Schritten erfolgen. 

Samuel: Wie sich am Ende Design Thinking in Chile von Design Thinking in Deutschland unterscheiden wird, werden wir in den nächsten Jahren sehen. Um ein kleines Beispiel zu geben: In Chile ist der Begriff Coach z.B. eher negativ konnotiert und so wird dort überlegt, einen neuen Begriff für die Lehrenden von Design Thinking an der Universidad Mayor einzuführen. Aber auch auf beispielsweise methodischer Ebene gibt es kulturell oder sprachlich bedingt ein paar Unterschiede, da wird es spannend zu sehen wie sich das entwickelt.

Was waren Eure größten Herausforderungen in dem Prozess?

Selina: Die Zeit war definitiv ein kritischer Faktor. Durch den akademischen Kalender waren wir auf den Jahreswechsel als vorlesungsfreie Zeit angewiesen. Wir wissen ja alle, dass das so schon eine turbulente Zeit ist. Daher liefen einige Prozesse parallel. Das Training der Coaches, das Testen der Formate, der Aufbau der Räumlichkeiten mit Möbeln und Materialien.

Während ein Teil von uns dauerhaft vor Ort war, wurden wir immer wieder auch von Kollegen des HPI aus Potsdam unterstützt. Das hat immer wieder frischen Wind und Energie in den Prozess gebracht.

Design Thinking von Potsdam nach Chile

Welche Learnings habt Ihr selbst von dieser Reise mitgenommen?

Samuel: Einmal mehr habe ich gelernt, dass es neben allen Prozessen, Methoden, Tools usw. bei Innovationsprojekten solcher Art am wichtigsten ist, die „Human Centeredness“, von der wir beim Design Thinking sprechen, von Anfang an ganzheitlich zu sehen und umzusetzen. Das heißt, alle involvierten Personen als wichtigen Teil des Projektes zu sehen und bestmöglich zu unterstützen. Wir haben auf Teambuildung gleich zu Beginn Wert gelegt, mit dem Ziel Vertrauen und Respekt untereinander zu schaffen und eine gesunde Lernatmosphäre zu kreieren. Das hat, glaube ich, gut geklappt. Es war toll zu beobachten, wie sehr die Coaches als Team zusammengewachsen sind. Auf diesen Aspekt werde ich weiter achten.

Selina: Das Team und das Gestalten einer Community in kurzer Zeit war auch für mich ein zentrales Learning. Zusätzlich ist für mich das Wechselspiel einer guten Vorbereitung und eines gesunden Maßes an Flexibilität bzw. Spontanität ein wichtiges Learning gewesen.

Samuel: Oh ja, Flexibilität in solchen Projekten ist das A&O!

Werdet Ihr wiederkommen?

Samuel: Design Thinking ist eine iterative Vorgehensweise und so verstehen wir auch unsere Arbeit. Wir haben fast zwei intensive Monate gemeinsam mit den Kollegen der Universidad Mayor erlebt und Einiges vorbereitet und geplant. Ende März geht nun das erste Semester los. Wie gesagt, wir sehen das als einenPrototypen, der dann Schritt für Schritt weiter entwickelt wird. Das heißt, wieder kommen werden wir ganz bestimmt!

Selina: Die nächsten Reisen nach Chile sind schon in Planung, aber auch umgekehrt sind Besuche der Chilenen in Potsdam in Arbeit! Denn wir wollen gerne im ständigen Austausch bleiben. Auch soll das Coaching-Team in Chile langfristig erweitert werden. Im Sommer ist dafür die nächste Coaching-Zertifizierung geplant. Für 2020 steht dann die Weiterentwicklung der Formate an, und nicht zu vergessen die große Eröffnung. Es geht also spannend weiter!

Die Progamm-Manager der HPI Academy

Selina Mayer_Programm-ManagerIn der HPI Academy
Selina Mayer - Programm-Manager
Samuel Tschepe_Programm-Manager der HPI Academy
Samuel Tschepe - Programm-Manager

 

Selina Mayer

Als Psychologin interessiert sich Selina besonders für die Implementierung von Design Thinking in die Organisations- und Führungsstruktur von Unternehmen. Selina Mayer arbeitet als Programm-Manager und Lead-Coach an der HPI Academy, wo sie sowohl verschiedenste Lernformate entwickelt und durchführt aber auch längerfristige Projekte begleitet. 

Samuel Tschepe

Mit seinem Hintergrund in der Erwachsenbildung und vielfältigen Erfahrungen im Coaching von Design Thinking leitet Samuel Tschepe das Zertifizierungsprogramm für Design-Thinking-Coaches an der HPI Academy. Zudem ist er Teil des Programm-Lead-Teams der HPI D-School.