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Hasso-Plattner-Institut
  
 

Agile Arbeit an agilen Möbeln

Sedus zeigt wie es geht: Nutzerzentrierung lernen, leben und weitergeben

Im Jahr 2018 kam Sedus, einer der führendenden europäischen Hersteller für Bürolösungen, aktiv auf die HPI Academy zu. Der Wunsch des Unternehmens war es, noch innovativer und kundenzentrierter denken und arbeiten zu wollen. Zu diesem Zweck wurde zuerst eine Reihe von  Sedus-MitarbeiterInnen in Bereich Design Thinking geschult. In einem weiteren Schritt bat Sedus die KollegInnen der HPI Academy, verschiedene Möbel ihrer Produktserie se:lab zu testen. Zusammen mit der HPI Academy legte Sedus den Grundstein für ein noch kooperativeres, agileres und kreativeres Arbeiten. Und durch die Kooperation mit der HPI Academy konnte die bereits nutzerzentrierte Arbeitsweise von Sedus auf ein neues Niveau gehoben werden.

Ausgangspunkt:

Die gemeinsame Reise begann 2018, als die HPI Academy Führungskräfte von Sedus erstmals in Design Thinking schulte. Die Führunsgkräfte erlernten ein neues „Mindset for Innovation“ und begannen, es im Unternehmen zu integrieren.

Begeistert von den Möglichkeiten, die der Prozess bietet, entschied Sedus sich dazu, in die Weiterbildung von zwei weiteren MitarbeiterInnen zu investieren und sie im HPI-Zertifizierungsprogramm für Design-Thinking-Coaches an der HPI Academy ausbilden zu lassen. Die frisch zertifizierten Design-Thinking-Coaches fungieren seitdem als unternehmensinterne Botschafter für die agile Methode.

Ein Jahr später bat Sedus die ExpertInnen der HPI Academy, ihre Prototypen der Möbelserie se:lab zu testen.

Die Möbel der Serie se:lab wurden mit dem Ziel entwickelt, agile Arbeit in Teams zu unterstützen und sich an die unterschiedlichsten Arbeitsmodi anzupassen. Der Entwicklungsprozess war bereits sehr fortgeschritten, dennoch sollte ein Test im Arbeitsalltag den finalen „Proof of Concept“ vor der Markteinführung liefern.

Die KollegInnen an der HPI Academy testeten einen Großteil der Möbel - u.a. Whiteboards, Tische und Sitzmöbel- auf Herz und Nieren.

Durch das Feedback aus dem Alltag agiler Arbeit, insbesondere aus den Workshops, erhielt Sedus weitere wertvolle Impulse und konnte die Produktserie se:lab finalisieren und zur Marktreife bringen.

Aha-Momente:

Durch Testen mögliche Fehlinvestitionen vermeiden

Die Journey der Produktreise fasst Michael Fehsenfeld, Leiter Kompetenz Center Märkte, wie folgt zusammen: „Ein Großteil der Möbel des damaligen Produktentwicklungsprojektes „se:lab“ hatte seinen Ursprung im Kontext agiler Arbeitsweisen. Da wir für uns selber an der HPI Academy dazu die Grundlagen gelegt haben, lag es nahe, Prototypen dort testen zu lassen und Feedback einzuholen. Dank der Arbeitsweisen und Methoden an der HPI Academy konnten wertvolle Rückmeldungen zu Eigenschaften und Funktionen direkt in die Produktentwicklung einfließen. Konkret, nutzerorientiert, praxisnah.“

Da im Test sich viele der Produkte als hilfreich und unterstützend in der agilen Arbeit erwiesen, bestärkten die Rückmeldungen vor allem das Projektteam in der bisher geleisteten Arbeit. Dazu gab es sehr spezifisches Feedback, z.B. zur Verbesserung der Beweglichkeit der Whitesboards, die zu dem Zeitpunkt noch sehr schwerfällig waren und wenig bewegt wurden, also letztendlich das Gegenteil von dem, wofür sie ursprünglich entwickelt wurden. Die Weiterentwicklung eines anderen Produktes wurde hingegen komplett auf Eis gelegt: Es handelte sich um einen Tisch, der sich an alle Arbeitsweisen - sitzend, stehend, alleine oder im Team - anpassen sollte.

Im Test stellte sich aber heraus, dass es in der Praxis keinen Use Case gab, und dass das große Möbelstück eher im Weg stand, als dass es genutzt wurde. Eine Erkenntnis, die für das Projektteam erstmal nicht einfach war, da sie von dem Konzept überzeugt waren. Aber in der Konsequenz ist es notwendig, bei nutzerzentriertem Design auch derartige Entscheidungen zu treffen, wenn das Feedback einen solchen Schritt nahelegt.

Impact: Neues Mindset für erfolgreiche Produktentwicklung

Die gezielte Ausbildung von MitarbeiterInnen hat die Design-Thinking-Methode langfristig im Unternehmen etabliert. Darüber hinaus hat das veränderte Mindset positive Auswirkungen im Hinblick auf die Produktentwicklung gezeigt. Projekte werden völlig neugedacht und anders als bisher umgesetzt:  Auch, wenn das bedeutet, dass mal unliebsame Entscheidungen unter Berücksichtigung der Nutzerperspektive getroffen werden müssen.

Darüber hinaus diente der Grundgedanke des Design Thinking als Basis für das, was Sedus nunmehr als „Sedus Smart Thinking“ interpretiert. Zum hauseigenen Modell wurde ein Guidebook gestaltet und die ersten Workshops aktiv umgesetzt.

Fazit:

Unsere Zusammenarbeit mit Sedus zeigt, wie sich das Design-Thinking-Mindset für Innovation in einer Organisation festsetzen und dort die Herangehensweise und die Arbeitsweise in Projekten ändern kann. Die Ausbildung zweier MitarbeiterInnen zu Design-Thinking-Coaches hat den Grundstein für eine nachhaltige Integration des Mindsets im gesamten Unternehmen gelegt. Als BotschafterInnen von Design Thinking schärfen sie nachhaltig das Bewusstsein im Management und im gesamten Unternehmen. In der Produktentwicklung bekommt das Team durch die Einbeziehung von NutzerInnen ein besseres Gefühl und Wissen darüber, wie ihre Produkte im Alltag genutzt werden und welche Annahmen in den Konzepten tatsächlich angenommen werden.

Übrigens: Wir gratulieren Sedus anlässlich des 150. Geburtstags am 23.06.2021!